Meister Shifu und seine Schüler

Nachdem wir nicht wie geplant nach Chongqing weiterreisen konnten, beschlossen wir die Stadt auszulassen und gleich nach Chengdu weiterzureisen. Jedoch stellte sich heraus, dass dies komplexer war als gedacht.

Unser neuer Plan war es, mit dem Bus ins nahegelegene Tongren zu fahren (1.5 Stunden Busfahrt) und dort um 12 Uhr in den Zug nach Chongqing zu steigen. In Chongqing wären wir abends in den Zug gestiegen und wären noch vor Mitternacht in Chengdu angekommen. Dumm nur, wenn der Bus nur stündlich fährt und dann noch 2 Stunden braucht, anstatt der angegebenen 1.5 Stunden. So verpassten wir in Tongren unseren ersten Zug um etwa 20 Minuten, was die ganze Reise zum scheitern brachte. Noch dümmer wird es wenn in Tongren für die nächsten 12 Stunden kein einziger weiterer Zug nach Chongqing fährt. Die nächste Option die wir hatten war ein Nachtzug um 23:30 Uhr direkt nach Chengdu. Leider waren dort aber nur noch Sitzplätze verfügbar. Also verbrachten wir 12 Stunden in Tongren (wo es wirklich nichts zu sehen gibt ausser das wir die Attraktion für die Einheimischen waren) und stiegen kurz vor Mitternacht in den Zug, setzen uns auf unseren Sitzplatz und versuchten die Nacht irgendwie zu überstehen.

Nach 14 Stunden nahm die Odyssey ein Ende und unser Zug fuhr in Chengdu ein. Mit ein paar wenigen Stunden Schlaf im Körper brachten wir den Weg zum Hostel hinter uns und kämpften uns noch weiter durch den Tag. Am Abend gab es im Hostel kostenlos Hot-Pot zu essen. Eine gute Gelegenheit die anderen Gäste kennenzulernen und so liessen wir uns das nicht entgehen. Zusammen mit drei Amerikanern, zwei Malaysiern und einer Engländerin verbrachten wir einen weiteren lustigen Abend. Aufgrund des Schlafmangels mussten wir dann aber irgendwann kapitulieren und schlafen gehen.

Da sich auf Grund der ungeplanten Planänderung unser Aufenthalt in Chengdu um eine Nacht gekürzt hatte, machten wir uns am nächsten Tag auf, um den bekannten Buddha zu besuchen. Leider machte uns der Zug hier einen Strich durch die Rechnung. Da alles komplett ausgebucht war, mussten wir wieder improvisieren. Wir entschieden uns für das wahrscheinlich „älteste Teehaus“ in China. Da wir aber ausser einem Foto und dem Namen des Dorfes keine genaue Adresse hatten, war diese Reise auch wieder ein Abenteuer. Mit der U-Bahn machten wir uns auf zur östlichsten Station – dem Flughafen. Von dort nahmen wir ein Taxi, dass uns in die Region Pengzhen brachte. Mit dem Bild und der Hilfe des Taxifahrers fanden wir das Teehaus sogar. Und dann tauchten wir in die maoistische Zeit von China ein. 🙂
Es fühlte sich tatsächlich an, als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Auf der einen Seite das Porträt von Mao an der Wand und weitere kommunistische Kriegsgemälde, auf der anderen Seite alte Männer auf Bambus-Stühlen sitzend mit Backpfeifen am Karten spielen. Auf Kohle wurden die Teepots erhitzt und ein alter Chinese erhielt auch gleich noch einen neuen Haarschnitt.
Nur die zahlreichen Fotografen mit ihren riesigen Teleobjektiven wollten irgendwie nicht in dieses Bild passen.
Wir genossen unseren Jasmin-Tee und sogen die Stimmung während ca. zwei Stunden in uns hinein.

Wie die Anreise war natürlich auch die Rückreise kompliziert. Wir entschieden uns einfach auf gut Glück in einen Bus einzusteigen und dieser brachte uns sogar mehr oder weniger in die richtige Himmelsrichtung. Bei der nächst grösseren Kreuzung wechselten wir dann in ein Taxi, welches wir dann quer durch die Stadt zur „grössten Shopping-Mall der Welt“ kommandierten. Da die Stadt zu der Zeit aber sehr verstopft war, dauerte diese Taxifahrt fast zwei Stunden. Auf dem Taxometer konnten wir keine Zahlen erkennen, daher waren wir sehr gespannt auf den Betrag den wir am Ende zahlen sollten. Eigentlich hatten wir sogar Angst, dass wir mit einem viel zu hohen Betrag abgezockt würden und stellten uns schon auf die Diskussion ein. Im Endeffekt wollte der Taxifahrer aber gerade mal 100 Yuan (zirka 15 CHF) für die zweistündige Taxifahrt haben. Wir zückten schnell die passende Note und stiegen aus.

Da wir am Tag danach bereits wieder weiterreisen wollten, konnten wir nur noch einen halben Tag in der Stadt bleiben. Die Tour zur Panda-Aufzucht Station war der perfekte Abschluss unseres Aufenthalts in Chengdu. Am Morgen wurden wir mit dem Bus zur Aufzuchtsstation gebracht und konnten gleich die Fütterung der Pandas beobachten. Und was kann man schon gegen ein paar knuffige Pandas einwenden? Nichts.
Es machte wirklich Spass den Pandas beim herumtollen, essen und in den Bäumen herumhängen zuzuschauen. Schade dass wir bereits um 11 Uhr wieder zurück ins Hostel gebracht wurden.

Nun ging es wieder mit dem Soft-Sleeper weiter nach Kunming. Wir hatten Glück. In unserem Abteil sprach ein Chinese sogar Englisch. So verbrachten wir den Abend damit ihm unsere Fotos von China zu zeigen und etwas über unsere Reise zu quatschen. Cao, so hiess unser englisch-sprechende chinesischer Freund, arbeitet in der Robotik-Branche und war geschäftlich nach Kunming unterwegs. Er stellte sich als richtiger Glückstreffer heraus. Weiteres kommt im nächsten Beitrag. 🙂

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