Tschu! Tschu! Tschu!

Endlich! Nach diesen anstrengenden Tagen (physisch und mental) konnten wir heute auf unsere Pferde aufsteigen. Gemütlich trotteten wir die ersten Kilometer auf dem Pferderücken durch die Ebene des Orkhon-Tals hoch zum „Roten Wasserfall“. Da das Wetter heute mitspielte und die Sonne vom Himmel strahlte und die Temperaturen sehr angenehm waren, fühlten wir uns wie Könige.
Die Angewöhnung an die Pferde ging schnell von statten. Die Pferde werden im Western-Stil geritten: die Zügel hält man mit der linken Hand und die Richtung wird „verkehrt“ herum gezeigt. Zieht man am rechten Zügel geht das Pferd nach links. Da man die Zügel mit einer Hand hält ist es sehr intuitiv. Auf die Seite welche man reiten will, zu der Seite geht man mit der Zügelhand. Sogar ich, fand mich sehr schnell damit zurecht und es sieht halt auch verdammt viel cooler aus! 😀

Hoch zu Ross durch den Fluss

Der Rote Wasserfall ist einer der Sightseeing-Spots im Orkhon-Tal. Nicht nur Touristen sondern auch einige Mongolen besuchen diesen Platz. Teils auch aus schamanistischen Beweggründen.
Wir stiessen auf eine Gruppe von Mongolen die gerade bei einem feuchtfröhlichen Plausch waren. Und wie so oft, als „Ausländer“, wird man gerne eingeladen auch ein Glas Vodka mitzutrinken. Ein Ablehnen dieses Glases ist so gut wie unmöglich, und das erste Glas das gereicht wird, muss auch immer in einem Ruck getrunken werden. Und so taten wir dies auch!
Da wir in den vergangenen Tagen auch ein mongolisches Lied gelernt hatten, und unsere Guides dies auch gerne jedem Mongolen unter die Nase banden, durften wir noch vor versammelter Gemeinschaft unsere (nicht vorhandenen) Gesangskünste darbieten. Es gibt jetzt also irgendwo auf einem mongolischen Telefon ein Video wo wir dieses Lied zum Besten geben. 😀
Danach ging es weiter auf dem Pferderücken. Auch den Orkhon Fluss durften wir einige Male mit den Pferden überqueren. Zum Mittagessen durften wir ins Zuhause von unserem Horseman Tsinde. Anja durfte auch noch Murmeltier probieren, ich liess es diesmal aus.

Am Nachmittag durften wir dann gar unseren ersten Galopp wagen! Meine Angst vor der schnellsten Gangart war ja durchaus bestehend, aber die Art und Weise wie diese Pferde über die Wiesen rennen, machte mir Angst und Freude zu gleich. Den Drang der Pferde zu rennen, die Energie die Sie freisetzen wenn sie Kopf an Kopf nebeneinander galoppieren und jedes Pferd schneller als das Andere sein will – magisch und beängstigend zugleich. Ich war froh, konnte ich mich mit der zweiten Hand am Sattel festhalten.

Nach rund 20 Kilometern hatten wir unseren ersten Tag geschafft, jedoch während den letzten zwei Kilometern verwandelte sich meine Freude in Leid. Mein Hintern tat mir weh, meine Leiste machte sich bemerkbar und die Beine wurden müde. Ich war soooo froh als wir wieder absteigen konnten. Anja steckte dies besser weg, sie hat ja auch schon heimlich geübt. 😉
So ganz nebenbei machte sich bei mir auch die Erkältung wieder bemerkbar und meine Energie schwand zusätzlich: so gab es für mich an diesem Abend noch einen Vodka mit schwarzem Pfeffer (mongolische Geheimwaffe gegen Grippe) und frühen Schlaf.

Weiter gehts durch das Tal

Am zweiten Tag ging es mir wieder einiges besser. Was aber nicht auf unseren Guide Khanda zu traf. Die Guides waren gestern noch zu Besuch bei der anderen Gruppe von Touristen (die in der Nähe zelteten) und haben wohl ein bisschen zu viel Vodka erwischt. So schlenderten wir weiter durch das Orkhon-Tal und genossen das schöne Wetter. Einer der es ebenfalls sehr geniessen wollte war unser Ersatz-Pferd, kurzerhand beschloss er auszubüxen und im vollen Galopp den Heimweg anzutreten. So jagte Tsinde ebenfalls in vollem Galopp davon um den ausgebüxten Wallach wieder einzufangen. Ausbüxen ist nicht so schwierig, es ist üblich dass das Ersatz-Pferd nicht angebunden neben der Gruppe mit läuft.
Auf der restlichen Strecke besuchten wir eine alte Grabstätte und hielten Inne auf einer kleinen Anhöhe wo wir einen schönen Ausblick auf das Tal und den Orkhon-Fluss hatten. Angekommen bei unserem Schlafplatz errichten wir unsere Zelte und sammelten Brennholz für das abendliche Lagerfeuer.

PS: Der Titel dieses Blogeintrages ist nicht etwa die Eisenbahn. „Tschu“ ist das Zeichen für die mongolischen Pferde schneller zu laufen. Man braucht es nur zu flüstern und schon gehts los! Wer es gleich dreimal hintereinander ruft, der kann sich sicher sein, dass die Post abgeht. 😉

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